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Hefe

Hefe

Abseits ihres ursprünglichen Einsatzgebietes im Backen und in der Teigverarbeitung kann Hefe auch gezielt als Würzprodukt eingesetzt werden. Aufgrund ihrer natürlichen Umami-Eigenschaften findet sie nicht nur in der Küche, sondern auch in der Lebensmittelindustrie Anwendung, um Speisen geschmacklich zu vertiefen und abzurunden.

 


 

Namen und Synonyme

DE: Hefe, Hefepulver, Nährhefe, Trockenhefe, Bierhefe, Hefeflocken
EN: yeast, yeast powder, nutritional yeast
FR: levure
ES: levadura

 


 

Aussehen und Merkmale

Im klassischen Handel ist Hefe überwiegend in zwei Formen erhältlich. 

Merkmale_Hefepilz

Zum einen als Trockenhefe, die krümelig, beige bis grau gefärbt und trocken ist und meist in kleinen Portionssäckchen abgepackt wird. Qualitativ hochwertige Trockenhefe zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich nach dem Kontakt mit Wasser zunächst an der Oberfläche sammelt und aktiviert.

Zum anderen als Frischhefe, die in quaderförmigen Würfeln angeboten wird. Frischhefe sollte eine gleichmäßige, geschlossene Oberfläche besitzen, eine weiche, leicht bröselige Konsistenz aufweisen und angenehm, leicht hefig riechen. Rissige Oberflächen, Verfärbungen oder ein stechender Geruch gelten als Qualitätsmängel.

 


 

Herkunft und Geschichte

Der genaue Ursprungsort der Hefe ist schwer eindeutig zu bestimmen. Sie gilt als einer der ältesten bekannten Pilze und zugleich als eine der ältesten Zutaten der Menschheit. 

Die ersten gesicherten Hinweise auf ihren gezielten Einsatz stammen aus dem alten Ägypten, wo natürliche Hefesporen zur Fermentation von Brotteigen sowie zur Herstellung früher Bierformen , zunächst unabsichtlich, genutzt wurden. 

Seitdem ist Hefe ein zentraler Bestandteil der menschlichen Ernährung, sowohl beim Backen als auch bei der Herstellung alkoholischer Getränke und Fermenten. 

Natürliche Hefesporen kommen weit verbreitet in der Umwelt vor, etwa auf Früchten und Pflanzen. 

Nach dem Ersten Weltkrieg begann die systematische industrielle Kultivierung moderner Hefe unter kontrollierten Bedingungen.

 


 

Anbau und Ernte

Der botanische Name der gebräuchlichen Bäckerhefe lautet Saccharomyces cerevisiae und gehört zur Familie der Hefen innerhalb der Pilze. 

Die heutige Hefe wird überwiegend industriell hergestellt. Reinzuchten des Hefepilzes werden mit nährstoffreichen Substraten wie Zuckerwasserlösungen oder Melasse versorgt und in Fermentationsanlagen unter kontrollierter Zufuhr von Sauerstoff, Wärme und Zucker vermehrt. 

Nach Erreichen der gewünschten Zelldichte wird der Hefeschlamm von der Flüssigkeit getrennt, gereinigt und weiterverarbeitet. 

Für Frischhefe wird der Wassergehalt auf etwa 30 % reduziert und die Masse zu Würfeln gepresst, während Trockenhefe vollständig getrocknet und in Portionspackungen abgefüllt wird.

 


 

Geschmack und Aromaprofil

Die hauptprägenden Aromaverbindungen sind Glutaminsäure, Peptide und Pyrazine, und sie sind hervorragend wasserlöslich

Charakteristik:  pilzig und leicht käsig. Gebackene, karamellisierte Hefe entwickelt ein deutlich intensiveres Profil und wird als stark umamireich, ausgeprägt käsig, nussig und karamellig wahrgenommen.

 


 

Wirkung und Wissenswertes

Hefen sind mikroskopisch kleine Pilze, die nahezu überall in der Natur vorkommen und bereits früh zufällig Gär- und Fermentationsprozesse in Gang setzten. Ohne Hefe gäbe es kein Brot, kein Bier, keine alkoholischen Getränke und somit auch keinen Essig. 

Obwohl sie seit Jahrtausenden genutzt wird, begann ihre wissenschaftliche Erforschung erst im 17. Jahrhundert & die industrielle Herstellung im 19. Jahrhundert. 

Neben ihrer Funktion als Trieb- und Fermentationsmittel kann Hefe gezielt zum Aromatisieren eingesetzt werden. 

Besonders in der vegetarischen und veganen Küche ermöglicht sie käsige und umamireiche Geschmacksnoten ohne tierische Produkte. 

Auch die Industrie nutzt diese Eigenschaften in Form von Hefekonzentraten oder Hefeextrakten mit geschmacksverstärkender Wirkung. 

Bei der Verwendung von Frischhefe ist darauf zu achten, dass sie nicht in direkten Kontakt mit Salz oder Zucker kommt, da dies die Hefezellen schädigen und den Gärprozess stoppen kann.

 


 

Lagerung und Hinweise

Trockenhefe ist bei sauberer Verpackung, kühler, trockener sowie luft- und lichtgeschützter Lagerung über mehrere Jahre haltbar. 

Frischhefe hingegen hält sich im Kühlschrank nur einige Tage bis wenige Wochen. Nach dem Anbrechen sollte sie gut verpackt weitergelagert werden. 

Wird die Frischhefe bröckelig oder zeigt eine bräunliche Oberfläche, sollten diese Stellen entfernt werden.

 


 

Verwendung

Verwendet werden frische Hefewürfel sowie abgepackte Trockenhefe. 

Klassisch dient Hefe der Initiierung von Gär- und Fermentationsprozessen bei der Herstellung von Brot, Gebäck sowie Bier, Wein und anderen alkoholischen Getränken. 

Dabei wandelt sie Zucker in Alkohol und Kohlendioxid um, wodurch Teige aufgehen und Getränke Kohlensäure entwickeln. 

Für würztechnische Anwendungen wird Hefe gezielt karamellisiert, indem sie auf ein Backblech aufgebröselt und bei etwa 180 Grad Umluft für 20 bis 30 Minuten gebacken wird. 

Die entstehende würzige Hefekruste weist einen hohen Umami-Gehalt auf und eignet sich besonders für vegetarische und vegane Gerichte mit käsigen Geschmacksnoten.

 


 

Partner und Aromapairing

Gute Gewürzpartner: für karamellisierte, gebackene Hefe sind Shutakepilze, Kombublätter, Salz, Pfeffer, Sellerie, Tomatenflocken, Rosmarin, Knoblauch, uvm gute Gewürzpartner

Ideale Zutatenpartner: karamellisierte, gebackene Hefe eignet sich als natürlicher Umami-Booster mit käsigen Noten für vegane und vegetarische Joghurts, Milchersatzprodukte, pflanzliche Käsealternativen, Gemüsegerichte, Suppen, Saucen und Dressings.

 


 

Tipps für Maximum Flavor

Die hauptprägenden Aromaverbindungen der Hefe sind ideal wasserlöslich

Frischhefe sollte sparsam dosiert werden, da sie sonst einen unangenehm hefigen Geschmack erzeugen kann. 

Für die Nutzung als Würzmittel wird Frischhefe auf ein Backblech gekrümelt und bei etwa 180 Grad für 20 bis 30 Minuten getrocknet und karamellisiert. 

Die gebackenen Hefestücke werden anschließend fein vermahlen und können pur oder mit Salz vermischt verwendet werden. 

Dieses karamellisierte Hefepulver eignet sich als natürlicher Ersatz für Glutamat beziehungsweise MSG zur gezielten Umami-Dosierung in Suppen, Saucen und Fonds. Da Teile der Aromatik flüchtig sind, sollte das Hefepulver erst gegen Ende der Garzeit oder als Finish eingesetzt werden.

Um ein eigenes Hefeextrakt herzustellen, soll frisch Hefe unter hoher Zentrifugalkraft geschleudert werden, die damit entstehende braune “Schlacke” ist extrahiertes Hefekonzentrat, dass sehr starke Ähnlichkeit mit Glutamat hat.

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