Kamille
Die Kamille ist eine der bekanntesten Blumen Mitteleuropas. Sie wird nicht nur traditionell für Tees geschätzt, sondern kann auch gezielt als Würz- und Aromapflanze eingesetzt werden.
Namen und Synonyme
DE: Echte Kamille, Apfelblümchen, Feldkamille, Kamille, Johanniskraut, Kummerblume, Lungenblume, Muskatblume, Mutterkraut
EN: Chamomile, German chamomile
FR: Camomille
ES: Manzanilla
Aussehen und Merkmale
Die Kamille erinnert in ihrem Erscheinungsbild an das Gänseblümchen.

Sie besitzt dünne, zarte, feingliedrige und spitz zulaufende Blätter. Die Blüten bestehen aus gelben Röhrenblüten im Zentrum und weißen Zungenblüten mit einer Länge von etwa sechs bis neun Millimetern.
Charakteristisch ist ihr intensiver, typisch kamilliger Duft.
Herkunft und Geschichte
Kamillen stammen ursprünglich aus Vorderasien sowie aus Süd- und Osteuropa. Heute sind sie in ganz Europa sowie in Nord- und Südamerika und Australien weit verbreitet.
Seit der Antike wird Kamille in der Naturheilkunde eingesetzt; bereits im alten Ägypten galt sie als heilige Pflanze.
Im Mittelalter förderte Karl der Große den Anbau und die Nutzung gezielt. Bis heute ist Kamille fester Bestandteil der Medizin und der Teekultur, gewinnt jedoch auch in der Kulinarik zunehmend an Bedeutung.
Anbau und Ernte
Der botanische Name des Gewürzes lautet Matricaria chamomilla und gehört zur Familie der Korbblütler.
Kamille ist meist eine einjährige, krautig wachsende Pflanze und erreicht eine Höhe von etwa fünfzehn bis fünfzig Zentimetern.
Sie wächst bevorzugt auf nährstoffreichen Böden, Äckern und an Wegesrändern. Geerntet werden die Blüten während der Blütezeit von Mai bis September, da in diesem Zeitraum der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten ist.
Wichtige Anbaugebiete sind Ungarn, Ägypten, Bulgarien und Argentinien, ebenso Tschechien, Spanien und Deutschland.
Geschmack und Aromaprofil
Die hauptprägenden Aromaverbindungen sind ätherische Öle, Flavonoide und phenolische Säuren, und sie sind sehr gut wasserlöslich sowie alkohol- und fettlöslich.
Charakteristik: floral und honigartig mit heuartigen, krautigen und leicht bitteren Nuancen. Zusätzlich werden ihr feine Apfelnoten zugeschrieben.
Wirkung und Wissenswertes
Kamille besitzt seit jeher einen hohen Stellenwert in der Volksmedizin. Sie gilt als beruhigend, bakterienhemmend und entzündungshemmend und wird zur Linderung von Krämpfen und Blähungen eingesetzt.
Ebenso fand sie Anwendung bei Schleimhautentzündungen und Hauterkrankungen. Diese Eigenschaften machen sie zu einer der bedeutendsten Heilpflanzen Europas.
Lagerung und Hinweise
Getrocknete Kamillenblüten können in geeigneten Behältern luft-, licht- und feuchtigkeitsgeschützt über mehrere Monate gelagert werden.
Frische Kamille lässt sich feucht eingeschlagen im Kühlschrank einige Tage aufbewahren, sollte jedoch nicht in Kunststoffbehältern gelagert werden, da ihre chemische Zusammensetzung damit ungünstig reagieren kann.
Verwendung
Verwendet werden die Blütenknöpfe mit den weißen Blütenblättern und den gelben Blüten.
Getrocknet findet Kamille vor allem Verwendung in Aufgüssen und Tees und ist Bestandteil zahlreicher Teemischungen.
Frisch kann sie in Salaten eingesetzt oder als essbare Dekoration genutzt werden. Zudem eignen sich Auszüge in Wasser oder Alkohol zum Aromatisieren und Parfümieren von Desserts.
Partner und Aromapairing
Gute Gewürzpartner: Vanille, Tonkabohne, Zimt, Süßholz, grüner Kardamom, Zitronenzesten, Limettenzesten, Kaffirblätter, Anis, Fenchel, Honig, Ahornsirup, Rosenblätter, Hibiskus, Kakao, Kaffee.
Ideale Zutatenpartner: Äpfel, Birnen, Honig, Milch, Sahne, Crème fraîche, Schokolade, Salate, Pinienkerne, Karotten, Kürbis, Süßkartoffeln.
Tipps für Maximum Flavor
Die hauptprägenden Aromen sind sehr gut wasserlöslich, aber auch fett- und alkohollöslich.
Für eine maximale Extraktion der blumigen und honigartigen Noten eignen sich Ansätze und Auszüge mit Wasser oder Alkohol, die Desserts, Süßspeisen oder Salate fein parfümieren können.
Frische Blüten lassen sich direkt als Dekoration und Geschmacksgeber in Salaten einsetzen.
Auch eine kurze Fettinfusion in geschmolzener Butter extrahiert das heuig-honigartige Aroma sehr gut und harmoniert sogar mit gegrilltem Rindfleisch.
Kamille sollte sparsam dosiert werden, da sie ähnlich wie Lavendel schnell dominant wirkt.
Zum Mitkochen eignet sie sich nicht, sondern sollte stets erst am Ende des Garprozesses zur Aromatisierung eingesetzt werden.
Zusätzlich kann aus Kamille ein eigener Zucker- oder Honigextrakt hergestellt werden, indem frische Kamillenblüten mit braunem Zucker bedeckt, in einem geeigneten Glasbehälter, mehrere Tage bis Wochen in der Sonne stehen gelassen werden. Durch Osmose entsteht eine honigartige Flüssigkeit, die sich hervorragend zum Aromatisieren und Dekorieren von Süßspeisen eignet.