Ringelblume
Die Ringelblume ist nicht nur eine dekorative Zierpflanze, sondern besitzt auch eine lange Tradition in der Heilmedizin und findet ebenso ihren Platz in der Kulinarik.
Namen und Synonyme
DE: Ringelblume, Echte Ringelblume, Gartenringelblume, Gemeine Ringelblume, Goldblume, Dotterblume, Sonnenbraut, Safran für Arme, Weinblume, Totenblume, Wanzenblume, Johanniskraut, Orangenes Stachelschwein
EN: Pot marigold, Calendula, Common marigold, Greenheart, English scotch marigold
FR: Souci officinal, Sorge
ES: Calendula
Aussehen und Merkmale
Die Ringelblume erkennt man an ihren auffälligen, kräftigen Blüten mit gefiederten, leicht gezackten Blütenrändern.

Die Blüten erscheinen in intensiven Gelb- bis Orangetönen.
Die Stängel sind kantig ausgeprägt und die Blätter sind lanzettlich bis länglich, hell- bis dunkelgrün gefärbt und leicht behaart.
Herkunft und Geschichte
Die genaue Herkunft der Ringelblume ist nicht eindeutig geklärt, wird jedoch im Mittelmeerraum und in Vorderasien vermutet.
Bereits in der Antike bei Römern, Griechen und Arabern war sie als bewährtes Heilkraut bekannt. Im Mittelalter wurde sie unter anderem von Hildegard von Bingen regelmäßig eingesetzt.
Auch in spirituellen Traditionen hatte sie symbolische Bedeutung, sowohl bei den Germanen als auch im Christentum.
Heute ist sie vor allem als Zierpflanze verbreitet, wird jedoch weiterhin in Hausmitteln genutzt und besitzt auch in der Kulinarik ihre Berechtigung.
Anbau und Ernte
Der botanische Name der Ringelblume lautet Calendula officinalis und sie gehört zur Familie der Korbblütler.
Es handelt sich um eine einjährige Pflanze, die bis zu 60 cm hoch wachsen kann. Sie bevorzugt sonnige Standorte und wird häufig in Gärten kultiviert.
Neben Wildvorkommen erfolgt eine gewerbliche Kultivierung insbesondere in Deutschland und den Niederlanden, weitere Anbaugebiete sind Ungarn, Polen, Ägypten sowie der Balkanraum.
Geschmack und Aromaprofil
Die hauptprägenden Aromaverbindungen sind Cadinol, Carvon, Cadinene und Cineol, und sie sind gut fett- und alkohollöslich.
Charakteristik: blumig, wiesig und sanft-aromatisch mit leicht pfeffrigen Nuancen beschrieben. Ältere Pflanzen entwickeln eine bitterere, holzigere Note.
Wirkung und Wissenswertes
Die Ringelblume besitzt eine lange Tradition in der Volksmedizin. Auch wenn moderne wissenschaftliche Belege für die Heilkräfte nicht vollständig vorliegen, gilt sie als unbedenklich.
In der Naturheilkunde wurde sie als desinfizierend und kühlend beschrieben und bei Bindehautentzündungen, Blutergüssen, Sonnenbrand, Schuppenflechte, Hämorrhoiden sowie bei Nervosität und Kopfbeschwerden eingesetzt. Hildegard von Bingen nutzte sie zudem zur Reinigung des Körpers, insbesondere der Leber.
Sie wird auch als „Safran der Armen“ bezeichnet, da ihre Blüten eine intensive färbende Wirkung besitzen.
In der Lebensmittelindustrie werden sie zum Färben von Butter und Käse eingesetzt. Getrocknete Blüten werden zudem gelegentlich in Kombination mit der Fräbedistel zum Strecken minderwertigen Safranpulvers und Safranfäden verwendet.
Lagerung und Hinweise
Frische Ringelblumenblüten können feucht eingeschlagen einige Tage im Kühlschrank aufbewahrt werden.
Getrocknete oder sanft gedörrte Blüten sollten kühl, luft- und feuchtigkeitsgeschützt gelagert werden. So behalten sie ihr Aroma mehrere Monate.
Verwendung
Verwendet werden die frischen oder getrockneten Blüten der Ringelblume.
Sie dienen zum Aromatisieren und Färben von Essig, Öl, Zucker und Butter. Ebenso werden sie in Tees, Dips, Soßen, Aufstrichen, Getränken, Süßspeisen, Salaten und Rohkost verwendet. Darüber hinaus aromatisieren und färben sie Suppen, Eintöpfe, Omeletts und Käsegerichte.
Partner und Aromapairing
Gute Gewürzpartner: Kümmel, Dill, Schwarzkümmel, Zimt, Piment, Sternanis, Süßholz, Muskatnuss, Mohnpfeffer, schwarzer und grüner Kardamom, Lorbeer, Galgant, Ingwer, Curryblätter, Szechuanpfeffer, Safran, Kurkuma, schwarzer Pfeffer, Vanille
Ideale Zutatenpartner: Butter, Olivenöl, Sahne, Quark, Frischkäse, Sauerrahm, Käse, Fisch und Meeresfrüchte, Geflügel, Honig, Ahornsirup, Essig, Eier, Getreidegerichte
Tipps für Maximum Flavor
Die hauptprägenden Aromaverbindungen sind alkohol- und fettlöslich.
Zum Färben und Aromatisieren werden die Blüten ähnlich wie Safran eingesetzt. Entscheidend ist das Öffnen in Fett: Entweder werden sie bei moderater Hitze kurz in Fett angeschwenkt oder länger in fettreichen Medien ausgekocht.
Ölauszüge, beispielsweise im Sous-vide-Verfahren mit neutralem Olivenöl, eignen sich besonders gut, um Farbe und Aroma zu extrahieren.
Frische Blütenblätter können zudem als Topping oder Finishing-Produkt unter Salate gehoben oder am Ende auf Gerichte gegeben werden.
Die Kombination mit Fett oder Alkohol ist wesentlich, um Aromastoffe und Farbpigmente optimal zu lösen.
Für die pfeffrigen-floralen Noten sollten die frischen Blütenblätter kurz vor Garende untergehoben oder als Topping verwendet werden.